Ina Geißler


FOKUS MEINER KÜNSTLERISCHEN ARBEIT

Von Ina Geißler

Mir geht es in allen meinen Arbeiten um das Changieren zwischen Innen und Außen. In früheren Arbeiten habe ich Übergangsbereiche wie Treppenhäuser, Zäune, Balkone und Fenster fotografiert und in Fotomontagen ineinander verschachtelt. Darauf aufbauend habe ich großformatige Malereien in Eitempera auf Leinwand gemalt. Von der gegenständlichen Vorlage ausgehend, habe ich eine abstrakte Bildwelt aus einer Annäherung an die „Quadratur des Kreises“ entwickelt, in denen unendliche Gitterstrukturen sich immer wieder mit Kugeln überlagern.

Wort-Bilder

In meinen neueren Arbeiten verbinde ich Wort und Raum in Papierarbeiten. Der Text wird dadurch lesbar, dass er als Cut-Out aus dem Papier ausgeschnitten und zu einem räumlichen Bild gefaltet wird. Begonnen habe ich diese Arbeit mit kurzen, formelhaften „Handlungsanweisungen“. Diese unterstützen durch die jeweils eigene Form der Falttechnik die Aussage des jeweiligen Textes, wobei die Buchstaben im Vorder- und Hintergrund miteinander verwoben sind. In weiteren Arbeiten steigere ich die bildhafte Wirkung des Textes, indem ich ihn in Fotografien hineinschneide und ihn zu einem räumlichen Objekt falte.

Ich verwende eigene Aussagen, die sich auf meinen eigenen Bildschaffungsprozess beziehen, aber auch Sprichwörter und Aphorismen, die sich auf den Themenkreis Wahrnehmung und Täuschung, Verhüllung und Sichtbarkeit beziehen.

Öffentliche Räume – Projekte

Über meine bildnerische Arbeit hinaus habe ich in Zusammenarbeit mit dem Architekten Fabian Lippert zwei dauerhafte Projekte im öffentlichen Raum realisiert.

Bodenbild Grone: Die Buchstaben des Ortsnamen Grone unterteilen als Buchstabenrätsel großflächig den neu entstandenen Platz am selbigen Ort auf einem ehemaligen Parkdeck. Es entstehen dabei Felder aus Tartan, welche Federball-, Tischtennis- und andere Bereichen voneinander separieren. Der Ortsname ist aus der Fußgängerperspektive nicht gelesen werden. Er muss durch eigene Bewegung erfahren werden.

Unterton: Auf dem runden Platz des ehemaligen Haupteinganges vom Martin-Gropius-Bau, Berlin wurden acht neue Gullies eingelassen. Der Passant kann durch seine, von einer Kamera überwachten und an einen Computer übermittelte, Bewegung auf dem Platz verschiedene Klangmuster auslösen. Die Klänge entstehen dadurch, dass Kirchenglockenhämmer von unten gegen die Schachtabdeckungen klopfen. Es entsteht dabei eine poetische, zeitenthobene Irritation des Alltags. Außerdem erinnern die unterirdischen Klopfgeräusche an die unmittelbare Nachbarschaft der Topografie des Terrors und die dortigen ehemaligen unterirdischen Gefängniszellen.

FOKUS OF MY ARTISTIC WORK

by Ina Geißler (Translation from German Heather Allen)

My work is above all about the change between the inner and the outer. In earlier works, I photographed transition areas such as stairwells, fences, balconies and windows, and combined them into photomontages. Building on these, I produced large-format paintings in egg tempera on canvas. Starting with the objective originals, I developed an abstract vision of ‘squaring the circle’ in which endless grid structures are repeatedly overlaid with spheres.

Word-pictures

In my newer paper-based works I combine word and space. The text becomes legible when, as a cut-out, it is cut into the paper and folded into a spatial image. I began this work with short, formulaic ‘manual instructions’, with each folding technique supported by the textual statement. The letters in the foreground and background were interwoven. In further works I increased the visual effect of the texts by cutting it into photographs and folding them into spatial objects.

I use my own statements that relate to my own work process, and also sayings and aphorisms about perception and illusion, disguise and visibility.

Public spaces - projects

I have produced two permanent projects of my sculptural works in collaboration with the architect Fabian Lippert.

Bodenbild Grone (Floor Image Grone): As an anagram, the letters of the district name, Grone, divide the extensive space of a new square on the site of a former parking level. Fields of tartan separate areas for badminton, table tennis and other sports. The name cannot be read from a single perspective. It can only be experienced when one moves.

Unterton (Undertone), sound installation: Nine new gullies were set into the round forecourt of the former entrance to the Martin-Gropius-Bau, Berlin. The movements of the passerby around the forecourt, observed by a video camera and transmitted to a computer, can trigger different sound patterns. The sounds are made by church bell hammers striking the underside of manhole covers, creating a poetic, time-transcending distraction within everyday life. In addition, the underground knocking noises are a reminder of the immediate vicinity of the Topografie des Terrors (Topography of Terror) and its former underground prison cells.