Meine Arbeit beschäftigt sich mit Übergängen zwischen Innen und Außen, Nähe und Distanz, Eigenraum und Zugehörigkeit. Mit Malerei, räumlichem Cut-out und Text untersuche ich Situationen, in denen etwas spürbar wird, ohne sich festzulegen.
Mich interessieren Momente, in denen Wahrnehmung kippt, sich verdichtet oder verändert. Diese Übergänge verstehe ich als Beziehungsräume: zwischen Menschen, Tieren, Dingen und Situationen. Dabei beschäftigt mich die Frage, wie Begegnung mit einem Gegenüber möglich ist, ohne es auf unsere Vorstellungen und Zuschreibungen festzulegen.
Meine Arbeiten entstehen nicht auf ein abgeschlossenes Ergebnis hin, sondern in fortlaufenden Prozessen. Motive und Formen tauchen wieder auf, verschieben sich und verändern ihren Zusammenhang. Jedes Werk ist eine Momentaufnahme innerhalb einer Bewegung, die sich fortsetzt.
Eine zentrale Rolle spielt die Traumarbeit. Seit 2016 halte ich meine Träume täglich in Texten fest und entwickle daraus Tierporträts. Traum und Tier verstehe ich als eigenständige Gegenüber, die sich einer abschließenden Deutung entziehen. Dasselbe Tier kann in unterschiedlichen Träumen vertraut oder fremd, nah oder bedrohlich erscheinen. Seine Bedeutung steht nicht im Voraus fest, sondern entsteht immer wieder neu in der jeweiligen Begegnung.
Die Serie Kartierung der Innenwelt umfasst mittlerweile über 1500 Papierarbeiten und Texte. Ein Referenzsystem aus 28 Begriffsfeldern durchzieht die Sammlung. Es markiert Wiederholungen und Verschiebungen, ohne sie zu fixieren. Eine komplette Serie aus 28 Arbeiten erscheint als Buch: Kartierung der Innenwelt. Ein weiterer Teil wird auf der zugehörigen Website in einem Referenzsystem aus 28 Begriffsfeldern weitergeführt: www.kartierung-der-innenwelt.de
Auch in meinen Malereien stehen Übergangsräume im Mittelpunkt – Treppenhäuser, Balkone, Zäune. Orte, an denen Nähe und Distanz zugleich wirksam sind. Sie erscheinen als Schwellenräume, in denen sich Fragen von Eigenständigkeit und Zugehörigkeit, Abgrenzung und Durchlässigkeit verhandeln.
In der Werkgruppe (un)gated werden harte Grenzstrukturen in weiches Material übersetzt; die Form bleibt erkennbar und verändert zugleich ihre Wirkung.
In ortsbezogenen Arbeiten wie ZAUNKÖRPER, EINANDER oder UNTERTON steht weniger das Objekt als die Beziehung zwischen Werk, Raum und Betrachtenden im Zentrum.
Meine Arbeiten geben keine Antworten.
Sie halten Zustände aus und machen ihre Dynamik sichtbar.
Ina Geißler
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